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Die Geschichte des Judo

IRP.Judo Kanji Die Geschichte des Judos (jap. 柔道, sanfter Weg) begann in einer Epoche grosser politischen und ökonomischen Veränderungen in Japan. Nach dreihundertjähriger Regierung war das Tokugawa Shogunat und mit ihm die Abschirmung vom Ausland zusammengebrochen. In der Folge wurde Japan mit wissenschaftlichem, technischem Wissen überschwemmt. Diese Einflüsse wurden schnell aufgenommen und in der Praxis angewandt. So zerfiel das alte feudale Souveränitätssystem und mit ihm auch die Samurai Clans.

 

Als 1877 eine neue reguläre Armee geschaffen wurde, wurden die dem Fürsten unterstehenden Samurai Abteilungen aufgelöst. Doch viele Samuraikämpfer hielten an ihrem Beruf fest. In der Folge sind viele Ju-Jitsu (sanfte Kunst, Kämpfen ohne Waffen) Schulen mit unterschiedlichen Stilen entstanden, welche in einem erbitterten Konkurrenzkampf standen. Neben den echten Meistern traten auch Scharlatane auf, welche das Ju-Jitsu in Verruf brachten. Erst später wurden diese alten Kampfkünste vor der Vergessenheit gerettet und zu neuem Leben erweckt.

Der deutsche Prof. Dr. Erwin Bälz wurde als Mediziner und Anthropologe an die kaiserliche Universität und Tokyo geholt und nach einiger Zeit zum Leibarzt des Kaisers ernannt. In dieser Zeit fiel ihm der schlechte Gesundheitszustand seiner Studenten auf, weshalb er sie zur sportlichen Betätigung ermutigte. Einer seiner Studenten, Jigoro Kano nahm diese Idee begeistert auf und begann die alten Kampfkünste zu erlernen.

Jigoro Kano wurde 1860 in Mikage in der Nähe von Kobe geboren. Als Abkömmling eines armen Samurai Clans zeigte er schon früh seine Neigung für die Humanwissenschaften. 1871 zog seine Familie nach der Meiji Revolution nach Tokyo, wo er an der Universität zu studieren begann. Sechs Jahre später entschied er sich bei Meister Fukuda Hachinosuke Ju-Jitsu zu erlernen. Trotz seinem Alter erlernte er die schwierigen Techniken in kurzer Zeit. Er lernte anfangs vorwiegend Atemi Waza (Schlag- und Tritttechniken) und Katame Waza (Haltetechniken), ehe er bei Meister Ikubo Tsunetoshi Nage Waza (Wurftechniken) erlernte.

Nach Abschluss seines Universitätsstudiums blieb Jigoro Kano bei den Kampfkünsten. Er suchte ein Prinzip, welches sowohl bei den Wurf- als auch ei den Schlagtechniken seine Gültigkeit hatte. Dieses war der effizienteste Gebrauch von physischer und psychischer Energie. Die Gesamtheit dieser Techniken nannte er Judo (sanfter Weg). Er verwarf alle Techniken, welche diesem Prinzip nicht gehorchten und ersetzte sie durch andere, welche dem Prinzip entsprachen. Stösse, Schläge, Tritte und viele Hebeltechniken wie insbesondere Kleingelenkhebel wurden ersatzlos gestrichen oder in die Kata integriert. Die verbleibenden Techniken ermöglichen einen sportlichen Zweikampf, ohne dass grössere Verletzungen zu befürchten sind.

1882 eröffnete Jigoro Kano sein erstes eigenes Dojo, das Kodokan (Halle zum Studium des Weges). Wegen der steigenden Popularität und steigendem Platzbedarf musste das Kodokan mehrmals umziehen. 1909 wurde Jigoro Kano Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). 1938 nahm er an einer Sitzung des IOC in Kairo teil und schlug Tokyo als Austragungsort der 12. Olympischen Spiele vor. Auf seiner Rückreise erlag er an Bord eines japanischen Schiffes an einer Lungenentzündung. Erst 1964 wurde Judo als olympische Disziplin anerkannt.